Sitzplatzsuche

 

Mit Einbruch der Dunkelheit mache ich mich auf den Weg in Richtung des Viereggenhöfer Teiches und die angrenzenden Wiesen im Süden von Wismar. Am Himmel hängen dicke Wolken, die teils - von unten angestrahlt - in ein Spektrum aus hellem Pink bis dunklem Blau getönt sind. 

Ich stelle mein Fahrrad an der Hecke am Rand der großen Wiese ab und laufe den sanften Hügel hinauf. Es dauert keine Minute, bis ich links von mir an einem von dicken Büschen umgebenen Teich ein Reh aufspringen sehe, das sich von mir gestört fühlte und bellend ins dichte Unterholz verschwindet. Ich merke, dass ich langsamer, bewusster laufen muss. Schritt für Schritt. 

 
 

Ich lasse meinen Blick schweifen und entscheide mich, weiter um den Teich herum zu gehen. Schon vor einigen Tagen war ich vormittags mit den Kindern hier und auch da hatten wir das Glück, Rehe zu sehen. Ich setzte meinen Weg in Richtung einer Blutbuche fort, als ich auf einen Wildwechsel (von Tieren ausgetretener Trampfelpfad) stoße und diesem folge. Doch schon nach einigen Metern durch das Unterholz werden die Büsche zu dicht und die Mücken zu aufdringlich, sodass ich den Rückzug antrete und lieber wieder über die offene Wiese umherstreife. 

Nach einigen Minuten langsamen Stromerns über die Wiese steigen zwei Kraniche nicht weit entfernt von mir auf. Kurze Zeit später gelange ich an eine Art Wiesen-Sackgasse - ringsum ist dichtes Buschwerk. Ich entdecke zwei Rehe, eins im Gras liegend, das andere ein paar Schritte weiter grasend, die mich noch nicht bemerkt haben. Ich gehe langsam in die Knie und beobachte die zwei. Dummerweise haben auch die Mücken mein Innehalten schnell bemerkt und attackieren mich an Händen und im Gesicht. Schlechte Voraussetzungen, um die beiden Rehe möglichst bewegungsarm zu beobachten. Dennoch gelingt es mir, von dem nun langsam auf mich zukommenden Reh ein Foto zu machen. Nur noch etwa 20 Meter trennen uns und für etwa zwei Minuten bewegt sich keiner von uns. Die Mücken genießen derweil ihr Festmahl auf mir. Irgendwann halte ich es nicht mehr aus und muss sie mit einer schnelleren Handbewegung vertreiben. Wenig überraschend sieht das auch das Reh und verschwindet - ebenfalls bellend seine Verwandten warnend - im Unterholz. Nachdem auch das zuvor im Gras liegende Reh langsam davontrabt, trete ich den Rückzug an. 

Inzwischen ist die Nacht hereingebrochen und ich beschließe in Richtung meines Fahrrades zu laufen, um später nicht in totaler Dunkelheit über die Wiese zu stolpern. Es scheint die Stunde der Gänse geschlagen zu haben. Unzählige fliegen nun in geringer Höhe in Formation über meinen Kopf. So niedrig, dass ich ihr Flügelschlagen deutlich hören kann. Glücklich über diese schönen Begegnungen gehe ich zurück zu meinem Fahrrad. Zum Abschluss sitzt dort eine Albino-Katze, die sich von mir überhaupt nicht stören lässt und den Abend im hohen Gras zu genießen scheint. 

 
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Mit den Kindern draußen