Die Wildnis vor der Haustür
Um in Kontakt zu unserer wilden Umgebung zu kommen, ist oft nicht mehr nötig als ein kleiner Spaziergang oder eine kurze Radtour. Wichtig ist nur ein aufmerksamer Blick. Wir haben das große Glück, in unserer noch neuen Heimat Wismar ganz viel Natur und Wildnis in der nahen Umgebung zu haben. Schon nach den wenigen Wochen, die wir jetzt hier wohnen, kann ich sagen, dass sich dieser Wunsch an unseren neuen Wohnort absolut bewahrheitet hat - so auch gestern!
Da unser Sohn (2) noch nicht in der Kita-Betreuung ist, fahre ich am Vormittag mit ihm um den Wismarer Mühlenteich. Und wir kommen aus dem Staunen kaum noch heraus: Schon kurz nachdem wir den Kleingartenverein “Hinter dem Mühlenteich” hinter uns lassen, tauchen wir förmlich in die Wildnis ein. Kaum vorstellbar, dass wir uns hier noch auf dem Stadtgebiet Wismars befinden: Rechts von uns versammeln sich auf dem Teich unzählige Enten, Graugänse, Kormorane und Silberreiher. Die zwei kleinen Inseln im Süden des Teiches sind ein wahres Eldorado für Wasservögel, die Moor- und Schilflandschaft rund um den See bietet Insekten ein Zuhause. Auf dem Feld links von uns können wir in der Ferne Rehe langsam traben und Turmfalken im Rüttelflug in der Luft stehen sehen. Mäusebussarde kreisen langsam über dem gemähten Feld.
Erneut bin ich total erstaunt, wie aufmerksam der Kleine beim Beobachten der Tiere ist. Mehrfach weist er mich auf Schnecken hin, bei denen ich noch zwei- bis dreimal hinschauen muss, bevor ich sie schließlich auch sehe. Schließlich erreichen wir eine Naturblumenwiese, die mithilfe des ÖSW renaturiert und angelegt worden ist. ÖSW? Wie sich einige Minuten und ein paar hundert Meter später rausstellt, bedeutet das “Ökologischer Schulort Wismar”, ein toller Ort, an dem Kinder anhand von Gärten und in Begleitung von Sozialädagogen viel über Biodiversität, Artenschutz, Landschaftsschutz und Nachhaltigkeit lernen können. Dort entdecken wird in einem Sandkasten Wildscheinspuren, über die man natürlich hier nicht wirklich glücklich ist. Die borstigen Freunde zerstören und plündern regelmäßig die angelegten Gärten.
Fazit: Ich glaube, ich habe einen weiteren Ort - diesmal sogar in unmittelbarer Nähe der Stadt - gefunden, der sich für wildnispädagogische Expeditionen und Angebote anbietet. Ich bin mir sicher, dass wir auf unserer kleinen Fahrradtour nur an der Oberfläche dessen gekratzt haben, was es hier noch zu entdecken gibt.